Bennewitz Quartet



Jiří Němeček

Der Anfang
Als ich im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal die Geige in die Hände genommen habe, ahnte ich gar nicht, was mich im Leben erwartet.  Ich hatte einen sehr netten Lehrer in der Volksmusikschule in Ceská Trebová. Ihm habe ich zu verdanken, dass ich die Musik von klein auf liebgewonnen habe. Die ersten schweren Momente sind gekommen, als ich realisiert habe, was es eigentlich heißt, Geige professionell zu studieren.  Mein Professor am Konservatorium in Brünn hat mich gar nicht geschont und ich habe – am Anfang mit weit aufgerissenen Augen – nach und nach verschiedenste Waghalsigkeiten gelöst, unter anderem auch mit Werken von Paganini. Mit dem Kammermusikspiel kann ich zum ersten Mal durch ein Klaviertrio in Berührung. Als wir dann in Prag an der Musikakademie das Bennewitz-Quartett gründeten, hatte keiner von uns  eine Ahnung, was dies eigentlich  heißt.
 
Woher kam die Erfahrung?

Den Funktionsmechanismus eines Quartetts haben schon einige Leute zu erklären versucht. Da dem Publikum ein bereits fertiges Produkt in Form eines  Konzertes oder einer Aufnahme vorgelegt wird, bleibt ihm der Prozess der Vorbereitung verheimlicht.  So wie jede Beziehung ist auch ein Quartett ein intimer Bund von Menschen, welche miteinander nicht nur spielen sondern auch kommunizieren. Es handelt sich um einen ziemlich komplizierten Prozess von einem verbalen und nonverbalen Dialog, wobei er ständig zwischen dem Rationellen und dem Emotionalen balanciert. Aus dieser Sicht ist für mich der größte Beitrag dazu das zweijährige Studium in Madrid: Tägliche Proben, Quartettlektionen, Spanischunterricht, aber auch das Führen eines gemeinsamen Haushaltes, das alles war eine große Lebensprüfung und Herausforderung.
 
Verlangen nach  einer weiteren Vervollkommnung

Das Verlangen nach einer weiteren Vervollkommnung hat uns nach Basel gebracht. Neben dem eigenen Studium konnten wir hier als  so genanntes „Quartet in Residence“ unsere erworbenen Erfahrungen an unsere jüngeren Kollegen weitergeben. In dieser Zeit ist mir bewusst geworden, wie wunderbar es ist, mit jungen Menschen arbeiten zu können, welche, auch obwohl sie aus verschiedenen Ecken der Welt kommen, ähnliche Werte teilen. Diese unermessliche innere Erfahrung hat auch mein Privatleben bereichert.  Ich habe an der Hochschule für Musik in Basel meine Freundin Martina kennen gelernt, die meine große Inspiration und Stütze  geworden ist.
 
Jiri Nemecek
(1976) studierte am Konservatorium in Brünn und  an der Prager Musikakademie. Als Solist trat er mit mehreren tschechischen Orchestern auf. Er sammelt nebenbei auch wertvolle Erfahrungen als Konzertmeister (Akademische Kammersolisten, Basler Kammersolisten). Neben seiner Berufung im Bennewitz-Quartett tritt er gelegentlich mit dem Pianisten David Marecek, mit seiner Freundin Martina Bischof und dem Kammerorchester Jaroslav Kocian auf.
Zu seinen Interessen gehören Reisen, Tourismus, Klavierspiel und allgemeine Bereicherung durch Studium und Erlebnisse aus verschiedensten Bereichen. Für das Paradies auf der Erde hält er Spanien, das Land der Sonne, der innigen Menschen, der erstaunlichen Geschichte und der temperamentvollen Musik.