Bennewitz Quartet



Presseartikel


     Musikalische Kontraste ausgekostet


     Baden-Baden (kst) – Die Veranstaltungsreihe „Entdeckungen“ im Theater am Goetheplatz machte wiederum ihrem Namen alle Ehre: Mit dem Bennewitz-Quartett aus Prag gab es eine Menge Tiefgründiges und Feinsinniges zu entdecken. Jiri Nemecek und Stepan Jezek, Violinen, Jiri Pinkas, Viola, und Stepan Dolezal, Cello, ein bei namhaften Wettbewerben preisgekröntes Ensemble, bot ein selten zu hörendes, hervorragend durchdachtes Programm.
     Die Musiker eröffneten mit fünf vierstimmigen Fugen von Johann Sebastian Bach aus dem „Wohltemperierten Klavier“ Band 2, von Wolfgang Amadeus Mozart für Streichquartett gesetzt. Das Bennewitz-Quartett präsentierte die kunstvolle Vierstimmigkeit der Fugen schlicht und doch innig, Andacht verbreitend und in höchster Übereinkunft, was sich bis zum letzten gemeinsamen Absetzen des Bogens am Schluss einer Komposition hinzog. Es war die Ruhe vor dem Sturm, der sich mit dem Streichquartett Nr. 2, „Intime Briefe“, von Leos Janacek einstellte. In diesem Werk setzt Janacek die ganze Leidenschaft seiner Empfindungen zu seiner Muse, der befreundeten jungen Kamila Stösslova, in Töne um. Das Ensemble hatte hier Gelegenheit, musikalische Kontraste auszukosten, vom energischen, vitalen Strich bis hin zum überirdisch wirkenden Pianissimo, durchbrochen von liebevoll dahinschmelzenden Motiven oder abgelöst von drängender Ungeduld. Gemeinsam gestalteten sie die vier Sätze des Werkes lebendig und mit äußerster Spannung, die rhythmischen und klanglichen Kontraste auskostend. Erst beim begeisterten Applaus der Zuhörer machte sich auf den Gesichtern der Musiker ein bescheidenes Lächeln breit.
     Franz Schuberts letztes Streichquartett G-Dur D 887 erfüllte im wahren Sinn des Wortes den zweiten Teil des Programms. Auch hatte das Ensemble Gelegenheit, die Kunst der glaubhaft wiedergegebenen Kontraste in größter Übereinstimmung vorzuführen. Es gab punktgenaue Unisono-Stellen sowie im ersten und auch im zweiten Satz Schroffe plötzliche Fortissimo-Ausbrüche, das hinreißend vom Cello angestimmte liedhafte Thema unterbrechend. Geheimnisvoll unruhig gestaltete das Quartett das Scherzo, dem ein versöhnlich wirkendes Trio im Pianissimo gegenüberstand. Im dahinjagenden Allegro assai zeigte sich das Ensemble noch einmal als Meister der feinen Nuancen. Spieltechnische Schwierigkeiten schienen kein Thema zu sein, waren wie selbstverständlich. Rezitation und musikalischer Ausdruck standen im Vordergrund und vermittelten sich den Zuhörern aufs Schönste. Um den begeisterten Beifall des Publikums zu dämpfen, gab es noch einen vierstimmigen Choral.

     (Badisches Tagblatt, 2. Dezember 2006)





     Triumphal Das Bennewitz-Quartett


     Vor zwei Jahren sorgte das Bennewitz-Quartett für Aufsehen, als es im Finale des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD mit gleich zwei Sonderpreisen ausgezeichnet wurde. Seitdem häufen sich die Preise. Seinen Namen verdankt das 1998 an der Prager Musikakademie gegründete Ensemble dem tschechischen Geiger Antonin Bennewitz, dem Begründer der Prager Geigenschule. Nun waren die Geiger Jiri Nemecek und Stepan Jezek, der Bratschist Jiri Pinkas und der Cellist Stepan Dolezal bei den Kaisersaal-Konzerten im Frankfurter Römer zu hören. Die fünf Bach-Fugen in Mozarts Bearbeitung für Streichquartett (KV 405) liessen das Potential der Musiker erahnen: Bewundernswert neben der klaren Strukturierung der Musik das tonschöne Klangbild und die Intonationsreinheit der Wiedergabe. Ganz selten erlebt man derart kunstvoll und effektvoll ausgehörte Harmonien. Packend und mit sicherem Gespür für die Gestik der Komposition gestalteten die Musiker Leos Janaceks zweites Streichquartett “Intime Briefe” und die enormen Gegensätze von Franz Schuberts Streichquartett G-Dur D 887. Für den Applaus dankten die Musiker mit einem schlicht, klar und anrührend gespielten Bach-Choral. Grosse Kunst.

     (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 12. 2006)