Štěpán Doležal
Musik als SelbstverständlichkeitIn unserer Familie war und ist die Musik und das Musizieren eine Selbstverständlichkeit. Alle haben auf irgendwelche Art und Weise Musik gemacht. Ich bin mit Volksliedern groß geworden, habe in Zymbalkapellen gespielt und auch getanzt. Da mein Vati Violoncello in einem Laienquartett gespielt hat, hatte ich die Gelegenheit, mich mit diesem Musikfach bereits in frühester Kindheit bekanntzumachen. Und seither begleitet die Kammermusik jeden meiner Schritte. Das Spiel im Klaviertrio, im Streichquartett oder im Kammerorchester ist mir immer am Nähesten gewesen. Schliesslich ist das Quartettspiel zu meinem Beruf geworden. Es war aber ein langer Weg…
Schweres Lebes eines Violoncellisten
Ich habe drei Geschwister. Die älteren zwei Brüder spielen Violine, die Schwester Klavier und für mich haben die Eltern – nach missglückten Versuchen, mir beizubringen, wie die Violine zu halten und das Klavier ordentlich zu spielen ist – Violoncello gewählt. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich dieses Instrument damals selber gewählt hätte. Obwohl es sich um ein wunderbares Instrument handelt, mit einem der menschlichen Stimme ähnlichen Klang, gibt es mit ihm auch viel Ärger. Stellen Sie sich nur eine Urlaubsfahrt mit einem kleinen PKW vor, wo das Violoncello auf dem Vordersitz thront und der Rest der Familie sich hinten quetschen muss. Oder wenn ich als Student für den halben Preis fliegen durfte, während für mein Violoncello eine Flugkarte für den vollen Preis zu kaufen war. Wenn Sie ein kleines Kind haben und zu Hause zu üben haben, dann müssen Sie stets in Lauerstellung sein… Der Violinspieler hat sein Instrument in einem sicheren Abstand von der Erde, aber ich?
Ich muss aber betonen, dass wir Cellisten trotz all dieser Schwierigkeiten unser „Werkzeug“ sehr lieb haben und sind auch dementsprechend stolz darauf. Und letztendlich war es eben das Violoncello, was mich nach Prag zum Bennewitz Quartett und zu meiner werten Ehefrau Lucie gebracht hat.
